Bezirkskrankenhaus Kufstein
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Aktualisiert: vor 5 Tagen

Transparenz ist die Basis für mehr Energieeffizienz
Das Bezirkskrankenhaus Kufstein zählt zu den modernsten Einrichtungen des Landes – und das gilt auch für das Energiemanagement: Schon 2010 hat die Einrichtung mit Energieeffizienzmaßnahmen begonnen. 2017 fand noch vor der gesetzlichen Verpflichtung das Erstaudit nach EN 16247-1 statt, 2019 folgte die Zertifizierung nach ISO 50001. Dies war zugleich der Startschuss für den Aufbau eines Energiemanagementsystems.
Die Diagnose: Wo geht Energie verloren?
Schon früh haben die Verantwortlichen erkannt: Energie einzusparen, hilft Kosten sparen. „Wir setzen vor allem bei den ‚Cash Cows‘ an, wie ich sie nenne“, erläutert Hartmut Bergmeister, Bereichsleitung Technikabteilung. „Das sind Maßnahmen, deren Amortisationszeit bei unter fünf Jahren liegt.“
Voraussetzung, um diese zu identifizieren und die Einsparungen nachzuweisen, ist eine ausreichende Energiedatenerfassung. Anfangs waren zwar zahlreiche Messstellen vorhanden und über Impuls-Erfassung in die Gebäudeleittechnik eingebunden, doch
detaillierte Auswertungen konnten oft nur mit hohem Aufwand oder nicht aussagekräftig genug erstellt werden,
spontane Auswertungen waren nicht möglich,
Einsparpotenziale blieben dadurch häufig unentdeckt.
Aufgrund der Empfehlung eines Mitarbeiters des Energieversorgers beschaffte das Bezirkskrankenhaus die ersten Energie- und Leistungsmessgeräte econ sens+ von econ solutions. Der Einstieg erfolgte bewusst pragmatisch mit wenigen Geräten, die mobil eingesetzt wurden. Sukzessive wurde das Energiemonitoring um neue Bereiche erweitert und in der Messtiefe erhöht. Anfangs wurde bei größeren Bauprojekten die Messtechnik mit ausgeschrieben, doch die Produkte von econ solutions waren immer Preis-Leistungs-Sieger. „So haben wir uns relativ schnell für eine strategische Partnerschaft mit econ solutions entschieden“, erinnert sich Stefan Schwarz, Energiebeauftragter des Bezirkskrankenhauses.
Inzwischen umfasst das System neben zahlreichen econ sens3, dem Nachfolgemodell des econ sens+, sowie econ unit Datenloggern auch die Software econ4. Die Impuls-Erfassung ersetzte das Krankenhaus zuerst durch verschiedene Bussysteme, heute ist die Einbindung via BACnet quasi Standard. In aktuellen Projekten wurden erstmals auch Energy-Valves aufgeschaltet.
Wirksamkeitsnachweis: Energieeffizienz belegen
Mit der Datentiefe stieg nicht nur die Fähigkeit, gezielt zu handeln, es lassen sich auch Einsparpotenziale datenbasiert aufzeigen. So kann gegenüber dem Träger des Bezirkskrankenhauses dargelegt werden, dass sich die Investitionen rechnen. Auch die tatsächlich erzielten Einsparungen können beziffert werden.
„Manche Anbieter von neuen Technologien versprechen ja viel. Doch wir müssen uns nicht darauf verlassen, sondern begleiten alle Maßnahmen mit dem Energiemonitoring und werten laufend Vorher-Nachher-Betrachtungen aus. Das geht mit dem econ-System schnell mit wenigen Klicks“, erklärt Stefan Schwarz. Wenn die Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprechen, hat das Bezirkskrankenhaus damit auch die Möglichkeit, nachzujustieren. Selbst Fehlmessungen externer Zähler konnten schon aufgedeckt werden – ein klarer Beleg für die gewonnene Transparenz.
Die Therapie: Gezielte Effizienzmaßnahmen mit nachweisbaren Einsparungen
Das erste große Projekt war die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technologie. Sie ist heute nahezu komplett abgeschlossen und brachte eine Reduktion des Gesamtstromverbrauchs um ca. 13 Prozent. Der aktuelle Stromverbrauch des Krankenhauses liegt bei 5,6 Mio. kWh/a.
Für die größte Lüftungsanlage im Bezirkskrankenhaus mit einer Luftmenge von 26.410 m3/h implementierten die Verantwortlichen eine energieeffiziente Regelungsstrategie, die die notwendige Luftmenge in Abhängigkeit von CO2-Gehalt, Temperatur, Feuchte und Kanaldruck bedarfsgerecht regelt. Das prognostizierte Einsparpotenzial von ca. 25.000 Euro pro Jahr wurde noch übertroffen. Denn die Luftmenge konnte deutlich stärker reduziert werden als erwartet – und damit auch die nötige Heiz- bzw. Kühlenergie sowie die Dampfmenge für die Luftbefeuchtung. Die Spektralanalyse in econ4 zeigt eindrucksvoll, wie sich die zuvor durchgängig hohe Stromaufnahme der Lüftungsanlage auf ein niedrigeres Niveau in deutlich kürzeren Zeitfenstern beschränkt – und das ohne Gefahr von Schimmelbildung und bei gutem Aufenthaltsklima.

Andererseits registrierte Stefan Schwarz sofort den enormen Anstieg des Energieverbrauchs durch ein neues CT-Gerät. Dieses benötigte mehr Kühlung und Entfeuchtung, was sich auf die gesamte Lüftungszone auswirkte. Die Lösung war eine zusätzliche individuelle Kühlung für den CT-Raum.
„In den Gesamtmessungen ist früher vieles untergegangen, weil sich manche Dinge wieder ausgeglichen haben. Heute sehen wir ganz genau, wo es ungewöhnliche Schwankungen oder Energiespitzen gibt, und so können wir schnell prüfen, ob eine Fehlbedienung, ein technischer Defekt oder eine andere Ursache vorliegt, und zeitnah gegensteuern. Das ist ein sehr großer Vorteil“, erläutert der Energiebeauftragte.
Als zusätzlichen Überwachungsmechanismus nutzt er die Schwellwertüberwachung in econ4. „Das kann man recht schön einstellen, sodass wir automatisch eine E-Mail-Alarmierung erhalten, wenn ein Grenzwert überschritten wurde.“ Das war beispielsweise der Fall als die Befeuchtungsregelung einer Lüftungsanlage hängen geblieben war. Aber nicht nur der Stromverbrauch wird so überwacht, sondern z. B. auch der Kälte-, Wärme- und Wasserbedarf.
Weil der Fernwärmebedarf stark von der Außentemperatur abhängt, hat Stefan Schwarz ein Excel-Makro entwickelt, um die Wetterdaten des österreichischen Wetterdiensts abzufragen. Diese werden per API-Schnittstelle abgerufen und mittels Auto-Import in die econ4-Software eingebunden, sodass diese automatisiert witterungsbereinigte Daten ausgibt.
Ein sehr umfangreiches Projekt läuft aktuell: Zwei Kältemaschinen werden ausgetauscht und deren Abwärme, die bei der Erzeugung der tiefen Kälte entsteht, sowie die Abwärme aus den Grundwasserbrunnenanlagen werden mithilfe einer Wärmepumpe genutzt. „Das ist ein kostenintensives Projekt, deshalb ist das Zählkonzept hier sehr umfangreich ausgefallen, damit wir nachweisen können, ob wir die vorab vom Planungsteam errechneten Einsparungen auch tatsächlich erreichen. Zudem können wir die neue Anlage mithilfe der gemessenen Daten optimal einstellen“, erklärt Hartmut Bergmeister.
Neben den Verbrauchern sind auch die PV-Anlagen in das System eingebunden. Derzeit liefern diese mit ca. 480 kW peak rund sieben Prozent des jährlichen Stromverbrauchs, eine weitere PV-Anlage ist schon in Fertigstellung. Weitere anstehende Zubauten werden konsequent nachhaltig geplant mit weiteren PV-Anlagen, Wärmepumpen, Wärme-Kraft-Kopplung sowie Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Das Energiemonitoring ist fest im technischen Alltag des Krankenhauses verankert.
„Eine begleitende Überwachung der Energieverbräuche sowie der monatliche Berichtsversand an alle Verantwortlichen, der ja ganz automatisch erstellt und versendet wird, sind dabei unumgänglich.“ Stefan Schwarz, Energiebeauftragter, und Hartmut Bergmeister, Bereichsleitung Technik, Bezirkskrankenhaus Kufstein












